Gesunde Haltung und Fütterung bei Pferden

Was das Eindecken betrifft, bitte die Decken zwischendurch wechseln. Nach dem Training Abschwitzdecke und danach die warme Stalldecke, je nach Haltung und Witterung gerne auch dicker. Gerade bei älteren Pferden die im Winter sehr viel Energie für den Wärmespeicher benötigen, ist es wichtig eine dickere Decke zu verwenden da es sonst zu einem drastischen Gewichtsverlust kommen kann. Pferde die ständig die gleiche Decke aufhaben, schwitzen in ihr sehr schnell (Pferd tobt mit anderen) und frieren anschließend weil die Decke feucht ist. Erkältungskrankheiten können auch dadurch entstehen.

Haltung & Fütterung

Heuwäsche empfiehlt sich bei allen Erkrankungen der Atemwege. In einer Wanne mit Wasser eingetaucht spült man Staubpartikel und Pollenreste ab. Bitte nicht stundenlang einweichen, da das Heu später wie Sauerkraut riecht und nicht mehr gefressen wird. Im Sommer wird die Brühe schnell gärig und man kann eine Kolik auslösen. Also immer frisch gewaschen zubereitet verfüttern.

Heufütterung

Ich weiß, das mit dem Heu ist so eine Sache, entweder verregneter Sommer oder der Stall bevorzugt Silage. Aber auch wenn es jedes Jahr erneut ein Drahtseilakt ist, das Heu trocken in die Scheune zu bekommen, so sollte man einiges beachten. Bei schlechtem Heu stimmt nicht nur der Nährwert nicht sondern auch der Organismus nimmt langfristig schaden. Heu ist nun mal die Grundbasis bei der Pferdefütterung, es sollte langsam gefressen werden und gut gekaut. Am besten in kleineren Mengen über den Tag verteilt dann können sich die Bestandteile auch gut entfalten und vom Körper gut verwertet zu werden. Auch vor dem Weidegang sollte immer eine kleine Portion Heu gefüttert werden, damit es zu keiner Übersäuerung des Körpers kommt. Wir qualitativ das Heu ausfällt, hängt von der Wiese ab von der es stammt. positiv wäre ein hoher Kräuteranteil. Ist der Sommer verregnet und man bekommt das Heu schlecht trocken, treten Nährstoffverluste auf. Nasses Wetter fördert auch den Gärprozess, mit starker Erwärmung oder Schimmelbildung aufgrund des hohen Wassergehaltes.Wenn die Reifungsprozesse unterbrochen werden bilden sich Bakterien und Pilze im Heu. In nassen Jahren kann man manchmal auf den Ballen kleine weiße Schaumberge erkennen. Das Heu sollte auch nicht zu früh den Weg auf die Speisekarte des Pferdes finden. Während etwa 6-8 Wochen macht das frische Heu eine Schwitzphase durch. Pressballenheu braucht deutlich länger. Während dieser Zeit kann es nicht verfüttert werden. Nicht ausreichend abgelagertes Heu führt zu massiven Verdauungsstörungen, weil sich Gase bilden und die Darmflora geschädigt werden kann. Ist Heu kontaminiert mit Pilzsporen kann es durch das Einatmen während des Fressens zu Schädigungen im Atmungstrakt und bei empfindlichen oder allergischen Pferden zu extremen Hustenanfällen kommen. Heu sollte grün sein, aromatisch riechen, griffig sein und ohne Verschmutzungen.Die Aufnahme von Heu trägt bei Pferden zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden bei. Alternativen zur herkömmlichen Fütterung müssen dann gefunden werden, wenn Pferde aus gesundheitlichen Gründen Heu nicht vertragen. Dazu gehören z.B. Heuallergiker und Pferde mit chronischer Bronchitis, denen jede Staubentwicklung zur Qual werden kann.

Silage

Bei Silagefütterung, die ich persönlich nicht empfehle, kann es zu Stoffwechselverschiebungen und erhöhtem Druckverhältnis im Organismus kommen.

Silage

Falls ihr Stall in Folie gewickelte Rundballen (Silage) verwendet (wovon ich persönlich abrate, da Silage zu schweren Stoffwechselstörungen führen kann und oft ein Auslöser für Kotwasser ist) besteht die Gefahr von unkontrollierter Nachgärung wenn die Folie verletzt wurde.Die Haltbarkeit der Silage ist abhängig von einem Säuerungsprozess mittels Milchsäurebakterien. Die Milchsäurebakterien benötigen keinen Sauerstoff. Silage kann aber auch Gefahren mit sich bringen z. B. durch Schimmelbefall, Fäulnis, Dreck, eine erhöhte Säurekonzentration, Gärungen, Milbenbefall…….. An eine Silagefütterung sollten Pferde prinzipiell langsam gewöhnt werden, sonnt kann es zu massiven Stoffwechselentgleisungen kommen.

Der Verdauungstrakt unserer Pferde ist sehr sensibel und deshalb sollte Silage eigentlich nur verfüttert werden, wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Der Geruch der Silage sollte angenehm frisch und leicht säuerlich sein, dann besteht keine Gefahr. Bei einem Geruch nach Essig und leicht angebrannt besteht eine Gefahr bei der Verfütterung. Ist ein muffiger - schimmeliger Geruch oder Ammoniakgeruch erkennbar besteht eine sehr große Gefahr und man sollte die Silage auf keinen Fall verfüttern. Die Stängel und Blätter sollten Struktur besitzen und nicht weich sein. Sind sie weich oder gar mit Dreck behaftet besteht eine Gefahr. Ist die Silage sogar schmierig oder mit Schimmel behaftet besteht ein extremes Risiko . Die Silage sollte eine grüne Farbe besitzen und nicht bräunlich aussehen. Wirkt sie gelblich, bräunlich, schillert schwarz oder ist schimmelig sollte sie auf keinen Fall verfüttert werden.

Hafer, Gerste, Weizen und Roggen

Hafer fressen Pferde sehr gerne, man sollte aber auch hier auf die Qualität achten und den Hafer möglichst quetschen, (gerade bei schnell fressenden Pferden) damit er im Darm besser verdaut werden kann. Bei ungequetschtem Hafer sieht man oft die unverdauten Körner im Kot. Hafer muss wie jedes Körnerfutter trocken gelagert werden, damit sich kein Schimmel oder Milbennester bilden können. Die Qualität und die Inhaltsstoffe (Natrium, Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Zink, …..) gehen verloren.

Bei der Verfütterung von Hafer muss überprüft werden, ob der Calcium/Phosphor- Bereich genügend abgedeckt wird, damit es nicht zu einem Mangel oder einem Überschuss kommt. Hafer hat einen hohen Eiweißanteil und ist reich an Aminosäuren (Lysin, Methionin, Phenylalanin….) außerdem sind Wasser, Kohlenhydrate, Ballaststoffe, B- Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Hafer ist ein Energielieferant aber ohne den Darm zu belasten. Die im Hafer enthaltenen Kohlenhydrate werden unterschiedlich verdaut.

Hafer ganzes Korn 84%, Hafer gequetscht 85%, Hafer geschrotet 98%. Hafer kann als Einzelfutter sowie als Bestandteil von Mischfutter verabreicht werden. Je größer das Haferkorn, desto größer ist der Energiegehalt.

 

Gerste sollte nur geschrotet verwendet werden und in kleinen Mengen, da sie schlecht verdaulich ist und Hufrehen begünstigen kann. Gerste enthält u. a. B-Vitamine, Ballaststoffe, Magnesium, Kalium, Zink, Selen, Natrium, Kalium, Calcium, Phosphor, Eisen.

 

Weizen & Roggen eignen sich weniger für die Futterkrippe, da sie in größeren Mengen zu einer Verkleisterung mit verbundenen Darmstörungen führen können. Weizen enthält Natrium, Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Kohlenhydrate, Eiweiß, Ballaststoffe, Fett, Mineralstoffe, B- und E Vitamine.

Inhaltsstoffe im Roggen sind Aminosäuren, Vitamin E, Folsäure, B- Vitamine, Natrium, Kalium, Magnesium, Kalzium, Eisen, Kupfer, Zink, Phosphor, Selen und Mangan, Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten, Ballaststoffen.

Bewegung des Pferdes

Die Bewegung sollte der momentanen Situation angepasst werden.

Viel frische Luft ist wichtig, aber keine sportlichen Leistungen während der akuten Hustenphase. Hustenerkrankungen

gehen auch schnell auf das Herz/ Kreislaufsystem über und können dort ebenfalls Schädigungen auslösen.

Übergewicht kann Folgen für den Gesundheitszustand der Pferde haben. Dies kann u. a. zu Atemproblemen und Herz/Kreislauferkrankungen führen. Von der Herztätigkeit wird bei chronischen oder allergischen Atemwegserkrankungen ohnehin schon einiges abverlangt, kommt jetzt noch Übergewicht hinzu kann dies bei empfindlichen oder älteren Pferden

zu zusätzlichen Herzproblemen führen.

Stallhaltung, Außenboxenhaltung, Offenstallhaltung

Stallhaltung hat natürlich ihre Vorteile, man steht weder im Regen noch in der Kälte. Bei der Besichtigung sollte man auf die Größe der Box achten, sind die Ställe ordentlich eingestreut und gemistet, die Wiesen oder der Auslauf gepflegt und sauber, der Stall hell und gut belüftet und das Futter qualitativ einwandfrei. Meist hängt eine Liste aus, was die Reithallenbenutzung betrifft, denn jeder will meist abends sein Pferd bewegen. Tagsüber kann man eine Stallkollegin bitten, das Pferd vielleicht auf die Wiese oder den Auslauf zu bringen, dann hätte man die Bewegung wenigstens im Griff. Ein Auge sollte man auch auf die Stalltemperaturen haben, die dürfen nämlich nicht zu hoch sein, weil sonst das Immunsystem geschwächt wird und die Pferde anfangen zu schwitzen. Durch eine gute Belüftung wird sauerstoffreiche Frischluft zugeführt und die verhindert, dass sich Schadgase im Stall anreichern.

 

Bei Außenboxenhaltung stehen die Pferde zwar auch in einer Box, haben aber den ganzen Tag frische Luft und nehmen außerdem auch mehr am Umweltgeschehen teil.
Die Öffnung der Box sollte möglichst nicht zur Wetterseite zeigen, um zu verhindern das Regen, Schnee und Wind eindringen können. Viele Außenboxen sind mit einem kleinen Paddock versehen, wo das Pferd die Möglichkeit bekommt, sich nach Wahl innen oder außen aufzuhalten. Falls diese Form sie anspricht sollten sie bedenken, das sie möglichst im Frühjahr einziehen, damit sich das Pferd an die veränderte Temperatur gewöhnen kann und dementsprechend ein dichteres Fell für den Winter bilden kann. Geschorene Pferde gehören nicht in diese Haltungsform, denn auch mit Decke wäre eine Erkältung vorprogrammiert, denn der empfindliche Kehlkopf

würde ohnehin außerhalb der Decke liegen.
Für Pferde mit chronischen Atemwegserkrankungen ist das Außenboxenformat von Vorteil. Sie wären dem Reizklima des Stalles nicht mehr ausgesetzt. Es gilt tägliches Ausmisten, dick einstreuen und qualitativ einwandfreies Futter (energiereich ebenfalls wegen der Wärmebildung).

 

Die Offenstallhaltung ist wahrscheinlich der Traum jeden Pferdes. Immer im Freien und nach belieben den Unterstand aufsuchen. Wichtig ist aber, das auch hier ein tägliches Ausmisten und gutes Einstreuen erfolgt sowie eine angepasste Fütterung und genügend Wasser vorhanden sein muss (Achtung ! Frost). Meine Kleinen leben auch diesen Traum. Aber die sind auch nur 89cm groß und werden nicht geritten. Ich habe keinen Unterstand sondern feste Boxen auf unserem Grundstück und angrenzend Freiheit pur. man sollte auch darauf achten das immer eine gerade Zahl an Pferden vorhanden ist und nicht einer abgesondert wird. Ausreichend Platz in der Unterbringung sollte schon vorhanden sein, damit jeder die Möglichkeit hat, im trockenen ein Mittagsschläfchen zu halten. Offenställe sind ausreichend stabil zu bauen. Sie sollten nicht in Bodensenken liegen, da sich hier Kälte, Nebel und Feuchtigkeit sammeln. Falls das was für Sie ist, bitte früh genug überlegen, am günstigsten im Frühling, da die Pferde dann genügend Zeit haben, um im Herbst ein dichtes und warmes Winterfell zu bilden. Bei der Offenstallhaltung benötigen die Pferde erheblich mehr Energie für die Wärmebildung. Dies kann sich negativ auf den Ernährungszustand auswirken. Also aufpassen bei der Fütterung.​

Einstreu bei Atemwegserkrankungen

Stroh ist nicht nur ein Streumittel für die Pferdebox sondern dient auch der Beschäftigung der Pferde die über den Tag in der Box stehen müssen. Sondern auch wertvoll für die Mikroorganismen im Darm. Stroh sollte langfaserig sein und nicht gehäckselt verwendet werden, weil das zu Verstopfungen und somit zu Koliken führen kann. Die Aufnahme sollte auch nicht übermäßig sein (Strohfresser) weil das ebenfalls zu Darmstörungen führt. Für die Qualität gilt das gleiche wie für Heu, nicht ausreichend getrocknetes Stroh, kann muffig und leicht schimmelig werden. Das gleiche gilt für Pilzbefall. Durch das Aufschütteln dringen Partikelchen in die Luft die bei Pferden Allergien und chronischen Husten (COB) auslösen können. Stroh sollte gelblich aussehen und nicht ausgewaschen oder mit grauen Belägen behaftet sein. Der Geruch angenehm und nicht muffig sein. Es sollte fest sein und nicht klamm oder klebrig und frei von Verunreinigung und Fremdbestandteilen.

Hanfeinstreu ist nahezu staubfreie und antiseptisch. Es hat eine sehr gute Saugfähigkeit und ist geruchsbindend, dadurch erhält man ein gutes Stallklima. Nicht nur für chronische sondern auch für allergische Pferde geeignet. Es hat eine gute Wärmeisolation und eine kurze Ausmistzeit.

Lein-Einstreu ist staubfrei und geruchsarm und ebenfalls für Atemwegspferde gut geeignet. Es nimmt das 5-7 fache seines Eigengewichtes an Feuchtigkeit auf und durch seine besondere Zellstruktur wird der Ammoniak in der Streu festgehalten. Dadurch verbessert sich das Stallklima enorm. Die Oberfläche der Einstreu bleibt immer locker und trocken.

Bei der Einstreu sollte man bei Hustenpferden mindestens über Späne nachdenken, die kann man staubfrei überall kaufen. Dazu fällt mir gerade noch eine Geschichte ein. Vor ein paar Jahren bin ich mit einer kleinen Ponystute konfrontiert worden, die alle Anzeichen einer Dämpfigkeit hatte. Abnorme Atmung, erstickende Hustenanfälle um nur einiges zu nennen. Jedenfalls stand dieses Pony auf Stroh. Nach einer ersten Behandlung und der Umstellung auf Späne und einer Außenbox mit Paddock zur freien Verfügung, hatte dieses Pony nie wieder Medikamente für die Atemwege nötigt. Sie war nicht dämpfig, sie war allergisch und zwar gegen ihre Einstreu. Sie sehen also das nicht immer alles so ist, wie es auf den ersten Blick ausschaut. Eine allergische Hustenvariante kann so schlimm sein, das optisch alles zu einer COB passt, ohne eine zu sein.

Tierheilpraktikerin Birgit Vaupel